Frankreich 2002

Unser Urlaub in Südfrankreich sollte eine Gedächtnis-Tour werden. Damals, als wir uns vor 10 Jahren kennenlernten, führte uns einer unserer ersten Urlaube an den Tarn und in die Cevennen.
Frederik bewegte ein XJ 900 in rot-silber und ich mühte mich redlich mit meiner CX 500 C in pflaumenbraun.
Auch in diesem Jahr war ich auf einer CX in der selben Farbe unterwegs, kürzlich in sentimentaler Stimmung von Frederik erworben. Er
manövrierte seinen Jugendtraum um die französischen Serpentinen: eine blaue BMW R100 RT mit viel Verkleidung.
Wir fuhren von Einbeck aus auf der A7 und später der A5 über Karlsruhe, Mulhouse und Belfort nach Pontarlier, insgesamt ca. 850 km.. Hier,
am Fuße der Alpen, gibt es einen ruhigen, modernen Campingplatz, auf dem wir unsere erste Nacht verbrachten. Das Wetter war himmlisch
warm, die Straßen wenig befahren und die Mopeds in Ordnung. Herz, was willst du mehr? Ja, ok, die BMW braucht ein bischen viel Öl und die CX hat nur Platz für 12 Liter Sprit, aber das wussten wir ja vorher...
Am nächsten Tag ging es weiter, auf Nebenstraßen und –sträßchen Richtung Südosten, Tagesziel Le Puy en Velay..
In Bourg en Bresse (ja, da wo die angeblich besten Hühner der Welt herkommen) war es um die Mittagszeit so tot wie in Einbeck am
Heiligabend. Vielleicht verlangte der Wirt im Café deshalb so viel für seine Baguettes....Außerdem war Sonntag. Sonntags haben Tankstellen
gern mal zu. Ohne System, versteht sich. Eine große Stadt, wie z.B. Roanne, das nächste Etappenziel, bietet keine Garantie für offene
Tankstellen, wohingegen das letzte 3-Häuser-Kaff in der größten Einöde auch nachmittags um halb drei brav sein Tankstellchen aufhat. Schön für die CX und ihren kleinen Tank.
In Roanne kam es dann auch prompt zu Komplikationen, weil ich allein eine Tankstelle suchen fuhr, was die Hilfe mehrerer netter Franzosen bedingte und ewig dauerte.
Derweil gab mein Göttergatte das Warten auf seine Frau auf und fuhr sie suchen. Missverständnisse, Verfehlungen, Ratlosigkeit, kein Handy
geht und wo ist Frederik? Schließlich fuhr jeder allein nach Le-Puy in der Hoffnung, dort den anderen wiederzufinden.
Nachts um 22° klappte das denn auch, große Freude und Erleichterung, und der nette Campingplatzbesitzer überließ uns seinen Wohnanhänger zum Schlafen. Das freute uns, da wir wenig Lust hatten, unser Zelt im Dunkeln aufzubauen.
Einen Tag gönnten wir uns in Le Puy, teils zu Fuß, teils per Moped. Das war für Frederik spannend, für mich eher aufregend, weil weder die
BMW noch die Güllepumpe so richtig geeignet waren für die engen, katzenkopfgeplasterten Gässchen, die mal steil bergauf, mal eng bergab
führten und jederzeit in eine Treppe münden konnten. Da war ich froh, wieder auf übersichtlichem Asphalt zu sein. Froh waren wir auch, einen
Laden gefunden zu haben, der Motorrad-Reifen verkaufte ( für die BMW, DAS hatten wir vor dem Urlaub echt nicht mehr geschafft!). Natürlich nicht am Montag, war klar. Na, egal. Abends lecker essen gehen und wieder in den Caravan.
So wurde am nächsten Morgen der Reifen bestellt, wäre in einpaar Tagen da, und missmutig in den Himmel geschaut. Wolken? Laß man fahren,
und das ziemlich zügig! Es half uns nichts, auf freier Flur ohne jede Unterstellmöglichkeit wurden wir Beute von Regen, Sturm und Kälte. Im
nächsten Ort Café aufentern und Zeitung gucken: die Wetterprognose verhieß nichts Gutes: Ja, übermorgen würde es im Süden wieder gut. Wahrscheinlich.
Was tun? Nein, jetzt geben wir nicht schon auf, wir sind doch keine Weicheier! Also weiter. Ab Alés wurde es wieder brütend heiß und trocken, und in dem kleinen Städtchen Le Vigan war die Welt dann wieder völlig in Ordnung.
Der Campingplatz dort liegt wild am Fluß, der örtliche Super-U hat leckere Sachen zu bieten und die Umgebung ist für´s Mopedfahren ideal. Am
nächsten Tag krochen wir auf kleinen Sträßchen um den Cirque de Navacelles, einem Canyon, der touristisch ein bischen erschlossen ist. Die sich schlängelnde Straße dorthin bietet atemberaubende Ausblicke!
Leider trübte sich das Wetter wieder ein und in der Nacht gab es ein Gewitter, dass wir um unser Zelt bangen mussten. Blitze wie auf einer
Pressekonferenz und Regen wie am Amazonas. Das hielt uns die halbe Nacht wach. Am nächsten Morgen sah es auch nicht besser aus, so
dass wir nach einiger Grübelei beschlossen, mit dem Bus ins 100 km entfernte Nimes zu fahren. Vielleicht ist das Wetter da ja besser?
Außerdem sieht man mehr von der Landschaft, wenn man nicht immer auf die nächste Kurve achten muß. Zur Abwechselung einen Tag auch mal schön.
Das Wetter war leider genauso schlecht wie in Le Vigan, aber Nimes hat uns trotzdem gefallen. Erstmal Regenschirm kaufen! Auf derartiges
waren wir nicht vorbereitet, hatten also auch keinen „zivilen „ Regenschutz dabei. Frederik verfiel auf die Idee, die Membran-Inletts unserer Jacken anzuziehen. Das sah zwar etwas merkwürdig aus, funktionierte aber.
Am nächsten Morgen strahlte der Himmel wieder blau in blau, wir packten frohgemut ein und verließen Le Vigan in Richtung Gorges du Tarn,
dem lang ersehnten und absoluten Höhepunkt der Reise. Alles war so wie in der Erinnerung. Gewundene Sträßchen, überhängende Felsen,
abstrahlende Wärme und aus der Schlucht emporquellende Kühlung (dann und wann). Wenig Verkehr, alles riecht gut und wir hatten so richtig
Urlaub. Am Ende der Schlucht, in St. Enimie, beschlossen wir bei Baguette und Menthe á l´eau, uns hier im Hotel einzumieten und noch etwas die umliegenden Schluchtauffahrten zu erkunden.
Das taten wir denn auch und nach dem Gepäckabwurf in der „Auberge du moulin“ suchten wir die Serpentinenstrecken von vor 10 Jahren.
Haarsträubend, zum Teil wiederlich eng, ich frage mich, wie die diversen Goldwings etc. da rummanövrieren konnten. Seit wann fahre ich
Motorrad? Ich kann eigentlich gar nicht Motorad fahren.... ich will ins Hotel... nein, den nächsten Urlaub mache ich mit TUI... War natürlich
Unsinn, denn ein TUI-Urlauber hätte bestimmt nicht den Flugplatz auf der Hochebene entdeckt!
Das mit dem Hotel war eine gute Idee, denn bereits in der Nacht weckte mich das Prasseln des Regens auf das Wellblechdach des Balkons.
Uäh, nein, nicht schon wieder! Wir mussten nach Le Puy, den Reifen abholen. Die an sich gar nicht weite Strecke war bei weitem das blödeste
Stück der Reise. Es war kalt, der Regen fiel, es windete doch gelegentlich recht heftig und Frederik konnte wegen dem Reifen eigentlich gar keine Schräglage fahren.
Die CX-Bremse war quasi nicht vorhanden, also auch langsam fahren. Endlos eierten wir auf den öden Landstraßen herum. Endlich Le Puy,
endlich ein neuer Reifen, und immer noch Regen. Der begleitete uns den ganzen Tag. Beim Stadtbummel, beim Cafébesuch und dem Verzehr
dieser kleinen, entzückenden Gebäckteilchen, die so bunt und vielfältig in den Schaufenstern herumliegen. Aber mehr als drei haben wir nicht geschafft.
Sonntag ausschlafen, dem Regen lauschen, der auf das Caravan-Dach trommelte (ja, der Caravan hatte uns wieder) und später irgendwann ins Kino gehen. „Krieg der Sterne“ Teil 2, da braucht man nicht viel Französisch für...
Montag! Jetzt aber heim. Mineralwasser und 3-Tages-Croissant zum Frühstück und los. Das Wetter hatte ein Einsehen, es bleib trocken, wenn
es auch da und dort dräute. Im Stau vor ??? verlor Frederik die Nerven und schlängelte sich zwischen den Autos nach vorn durch. Ja,
Franzosen! Die gucken, die machen Platz, sehr nett! Vielen Dank. Ein Übriges tat wohl auch der Anblick der BMW, die mit ihrer blauen Verkleidung ganz nach Polizei-Motorrad aussah...
Stunden später, in Herbolzheim, sitzen wir im McDoof. Eigentlich wollten wir hier im Hotel übernachten, aber wir kamen so gut durch, es ist
erst vier Uhr nachmittags. Heim? Nö. Stattdessen lieber noch Kumpel besuchen in Mönchengladbach. Abends um 21°° waren wir da, die
letzten 50km im strömenden Regen („Muß das jetzt wirklich noch sein?“). Insgesamt 1.200 km an einem Tag, so einen Blödsinn wollten wir doch eigentlich nicht mehr machen, man ist ja schließlich nicht mehr 24...
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