2000

Frankreich 2000  
Alpen-Mittelmeer-Pyrenäen

14.5.00 Einbeck - Saverne (Elsaß)

Bei klarem, sonnigen Wetter starten wir morgens in Einbeck. 

 

 Mit den friedlich bepackten BMW´s (nun auch schon im vorgerückten Alter) über Kassel, Frankfurt und den Hockenheimring (na ja, fast) geht es nach Raststatt, wo wir selbstverständlich dem Namen gehorchen und Rast machen.

 

Dann weiter auf kleinen Landstraßen Richtung Elsaß. Abends lagern wir in Saverne auf dem Campingplatz (nicht weiter erwähnenswert), ich fahre noch in die Stadt und hole ein paar Biere sowie die schlechtesten Pommes meines Lebens.

 

 

15.5. Saverne - Turckheim

Am nächsten Tag wollen wir alles unter die Räder nehmen, was im Elsaß angesagt ist, u.a. natürlich den Grand Ballon d Álsace, den Col de la Schlucht,

...... aber plötzlich fehlt der Druckpunkt meiner Vorderradbremse, es qualmt und wir haben ein Problem. Offensichtlich haben sich die Bremskolben verklemmt... 

 Vorsichtig fahren wir nach Turckheim auf den Camping

Camping municipal Les Cigognes
4 quai de la Gare 68230 TURCKHEIM - FRANCE
Ouvert du 15 mars au 31 octobre
Tél. 03.89.27.02.00 Fax. 03.89.80.86.93
 

 

Ich erfahre vom hilfreichen Campingplatzwart, dass es in Mulhouse eine BMW-Werkstatt gibt, vorher nicht. Das sind noch ca. 50 km. Ich versuche, dort anzurufen, was schwierig ist und am Ende doch nicht klappt, Frederik steht derweil auf seinem Moped in der heißen Sonne und kocht, auch vor Wut. Als der Campingplatzwart mitkriegt, dass die arme Frau doch nicht so ganz allein ist, lässt seine Hilfsbereitschaft merklich nach.

Abend Turckheim ansehen, hübsches Fachwerk, aber etwas kitschig bunt alles.... Nach einem Bierchen in einem netten Lokal auf dem Hinterhof fallen wir ins Zelt.

 

16.6. Turckheim - Pontarlier

Früh aufgestanden, trotzdem brauchte ich ewig, bis ich fertig war. Vorsichtig fuhren wir nach Mulhouse und hatten Schwierigkeiten, die Werkstatt zu finden.

BG MOTOS 145 RUE DE L'ILE NAPOLEON
MULHOUSE 68100
03.89.61.73.73

Aber dank ein paar netten, deutschsprachigen Bikern waren wir irgendwann da, der Schaden wurde behoben, das Ersatzteil war auch da und drei Stunden später konnte es weitergehen. Mit einem größeren Loch in der Urlaubskasse.

Auf ganz kleinen Straßen schlängeln wir uns über Bourbach le Haut, ..... und ...... nach Pontarlier, das sind schon die Alpen. Hier hat es geregnet, und auf der Suche nach dem Campingplatz taucht das Hinweisschild so unvermittelt auf, dass ich genauso unvermittelt bremse und - platz - auf der Nase liege. Frederik ist klugerweise weiter gefahren und wendet vorsichtig. Ein netter Franzose hilft mir, das Trum von BMW aufzuheben. Auf dem Campingplatz ist nichts los. Aufgrund drohenden Regens und wegen nasser Klamotten gönnen wir uns eines von den dortigen Holzhäuschen und bestellen frische Baguettes für´s Frühstück.

Camping 
Rue du Toulombief
03.81.46.23.33

 

 

17.6. Pontarlier - Bourg-St.Maurice

Lac Leman: Montreux

ZurPanorama-Ansicht

Weiter geht das Geschlängel durch die Alpen. Bei Regen macht es nicht so viel Freude, aber wir sagen uns, dass es um diese Jahreszeit auch mal regnen kann.

 

Trotzdem macht das Abendbrot, das wir unter dem tropfenden Holzdach der Grillhüttes des Campings in Bourg St.-Maurice

Camping Le Versoyen***  Bourg Saint Maurice     

Caravaneige Route des Arcs 73700 Bourg-Saint-Maurice

zu uns nehmen, nicht so viel Spaß und wir verkriechen uns schnell ins Zelt.

 

18.6. Bourg St.-Maurice - Briancon

???Der nächste Morgen empfängt uns mit Sonnenschein. Fein: jetzt aber los. Über diverse Pässe, huch! auf einmal ein Tunnel nach Italien! Ich hasse Tunnel! Kriechende LKW, Stau, Staub, heiß ist es auch.???

Gott sei Dank, irgendwann ist es vorbei und wir finden den Wege wieder zurück nach Frankreich. Mitten im Gebirge bei Briancon übernachten wir auf einem beinahe leeren Campingplatz unter grünen Birken. 

 Gegenüber ist ein riesiges Einkaufszentrum, das sich in dieser Quasi-Einsamkeit eher unheimlich ausnimmt. Aber es erleichtert das Abendessen natürlich ungemein.

 

 

19.5. Briancon - Barcelonette

Morgens ist es lausig kalt, aber es scheint die Sonne. Wir satteln auf, fahren über Gap und seine gut ausgebauten Serpentinen auf später diversen Winz-Sträßchen nach Barcelonette.

 

Dort finden wir einen extrem hübschen Camping mit Familienanschluß mitten im Ort, auf der Obstwiese hinterm Haus. Nur mit dem Essen gehen nach 20°° ist es hier Essig, will man nicht sehr viel Geld ausgeben. War aber lecker!

 

20.5. Barcelonette

Morgens hat es 4°, Plus zum Glück! Wir lassen das Gepäck, wo es ist und erkunden die Umgebung. Heute wollen ein paar Pässe fahren, aber viele sind noch geschlossen. Der Col de la Bonette(?) schließlich ist angeblich offen.

Na dann! Es wird immer kälter. Große Stauseen, kleine Murmeltiere, keine Bäume dafür Schnee, je höher wir kommen. Zweimal ist die Straße dick überfroren, das geht nur mit Schieben.

Als erfahrener Endurist geht Frederik die gefährliche Stelle erstmal zu Fuß ab und bedeutet mir dann, wo ich fahren kann. Bei der zweiten Stelle haben wir ja gelernt, wie der Untergrund ist und brauchen nicht mehr abzusteigen - denkste! Mitten auf der Eisplatte ist der Grip weg und Frederik rutscht ganz langsam Richtung Abgrund. Gemeinsam schaffen wir es dann mit Schieben und Drücken und Balancieren und Herzklopfen, den Bock wieder auf festen Asphalt zu bekommen. Übrigens: Leitplanken gab es da natürlich nicht! Oben auf der Passhöhe haben wir einen herrlichen Blick, fast können wir das Mittelmeer sehen.

Aber die Straße runter nach Nizza ist gesperrt (wahrscheinlich wegen Eis!), so müssen wir einen Umweg fahren.

Abends sind wir zeitig wieder da, da klappt es dann auch mit dem Restaurant.

21.5. Barcelonette - Menton

Das Wetter will uns ärgern, es graut und diesig ist es auch. In der Hoffnung, dass es an der Küste besser wird, fahren wir los, Richtung Cote d´Azur. Je näher wir der Küste kommen, um so grauer und diesiger wird es.

In Menton ist es warm, verwirrend belebt und stickig, der Campingplatz ziemlich voll und frech teuer.

Le Saint-Michel  
Camping municipal
131 emplacements
Ouvert du 1er avril au 15 octobre + Fêtes du Citron
Route des Ciappes 06500 Menton
Tél. 33 (0)4 93 35 81 23

 

Die Straße dorthin ist abenteuerlich steil und eng, um um die Kurve zu kommen, müssen sogar die Mini-Lieferwagen der Franzosen zurücksetzen. Das Restaurant auf dem Platz verwirrt mit merkwürdigen Öffnungszeiten und ärgert mit heftigen Preisen. Ja klar, wer zum Essen gehen in die City will, muß erst mal 189 Stufen hinunter steigen (und hinterher wieder rauf!) Irgendwie ist das alles nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind frustriert und streiten uns.

 

 

22.5. Menton - Port St.Louis

Aber morgens erwachen wir mit Blick auf das blaue Mittelmeer und einen blauen Himmel. Bloß weg hier.

Die Cote d Ázur verfügt über traumhafte Küstenstraßen und alptraumhaften Verkehr. Cannes wird besichtigt, 

 Nizza 

 und Monaco: 
einmal die Grand-Prix-Strecke. Aus der dann doch irgendwie dreimal werden, weil der Ausstieg zur Landstraße schwer zu finden ist.

Von der wirklich atemberaubenden Küstenstraße aus geraten wir direkt zur Rush-Hour in die Innenstadt von Marseille. 

 Das ist ebenfalls atemberaubend, wenn auch nicht wegen der Aussicht...Es ist heiß, der Verkehr staut sich und den 500000 Mopeds ist das ganz egal. Meine Fuhre gerät öfters gefährlich ins Wanken, weil todesmutige Kleinkrafträder eben noch vorbei müssen. Es gelingt mir, an Frederik dranzubleiben und gemeinsam erreichen wir das flache Land. 

 Es wird feucht: Wir fahren durch die Camargue. 

 

 

 Die hinterlässt einen ganz merkwürdigen Eindruck aus Vitalität (wegen der vielen Vögel) aus Trägheit (wegen der menschenleeren Schlickstrände) und Endzeitstimmmung beim Anblick der großen Ölraffinerien.

Abends sind wir in Port St. Louis, ein kleiner Hafen in der Camargue. 

 Der Campingplatz ist wie ausgestorben, na ja, wenn man von den Myriaden von Schnecken und den Mücken absieht. Die Schnecken sind überall, hocken zu Dutzenden an den Lampen und ballen sich an den Steinen zusammen. Die Mücken sind totel ausgehungert, draußen sitzen ist da auch mit langen Ärmeln nicht drin. Am nächsten Morgen sind wir völlig zerstochen, das Mückendeo hat gar nichts gebracht.

 

23.5. Port St.Louis - Barcarés

Die Strecke führt heute zuerst am Strand entlang . Die Strände sind z.T. befahrbar, kleine Offroadeinlage.

Frederik legt sich im Schlick fast auf die Nase, und in meinem Packsack platzt bei einem besonders hohen Absatz eine Dose mit Fisch, aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.....

Wieder auf Asphalt durch hohe Schilfwände lauern hinter jeden dritten Kurve Wohnmobile. Diesen entsteigen Menschen mit riesigen Objektiven: Vogelbeobachter!

Über Parlavas, Narbonne und Perpignan 

 geht es nach Barcarés, 


Carrefour, da wo die Verkäuferinnen Rollschuhe tragen

 wieder am Mittelmeer. Auf dem Camping dort hat die neue Mode der Wohncontainer ziemlich um sich gegriffen. Lästig sind auch hier die vielen Mücken, die unseren sowieso schon geschundenen Körpern noch etliche Stiche hinzufügen.

Mückes Lieblingsstelle: auf der Kniescheibe, da, wo der Knieprotektor so schön hin und her scheuert!

 

24.5. Barcarés - Andorra

Da hocken sie: die Pyrenäen. Wir wollen nach Andorra, aber die Passstrasse versinkt in Regen und Nebel. Außerdem ist Stau, und das macht bei Regen und Kälte keine Freude. Also drehen wir um, fahren durch die erschreckend weiten Täler zwischen den erschrecken hohen, wolkigen Bergen und Frederik findet einen zweiten Weg über Spanien. Dort ist es auf Knopfdruck wieder warm, kaum passieren wir die letzte Biegung hinter dem Paß vor Andorra, hat uns der Regen wieder.

 

 


Wie ist das Wetter in Andorra jetzt? Rote Punkte anklicken!

  

Nachdem wie erfolglos den Campingplatz von früher gesucht haben, beschließen wir - auch wegen des Wetters, ein Hotel zu suchen. In einer Seitenstraße finden wir eines, dass zwar den Charme der gehobenen 60Jahre versprüht, aber es ist günstig, für die Mopeds gibt es eine Garage und das Zimmer hat Badewanne! Abends gehen wir extrem günstig essen und dann in die Badewanne, was unsere vielen Mückenstiche gar nicht goutieren!

 

25.5. Andorra

Pausentag. Hände erholen lassen vom Schalten, dafür Spazierengehen. Stundenlang Espresso trinken und Leute gucken. Nachmittags versinken wir zwei Stunden lang im Kaufhaus und kommen aus dem Staunen nicht heraus: was es alles gibt! Und günstig! Frederik ersteht eine Flasche Hard-Alk, den er verpackungsschlau in seine Trinkflasche füllt (nur nicht verwechseln!). Ich raffe diverse Süßigkeiten und Käse an mich. Unser Gepäck wird einer Auftrocknung und Revision unterzogen, dabei entdecke ich die geplatzte Fischdose. Also wird der gesamte Packsack geleert, der Inhalt geschrubbt und gelüftet und im Hinblick auf die letzte Urlaubswoche auf Erfolg dieser Aktion gehofft. Der Balkon des Zimmers sieht aus wie ein Heerlager, ebenso der Rest des Zimmers.

 

26.5. Andorra - St. Gaudens

Der Himmel überrascht uns mit strahlendem Blau: aufi geht’s!. Der Paß de la Casa liegt in blendendem Sonnenschein vor uns und die gut ausgebauten Straßen fahren sich quasi wie von selbst. Für Frederik etwas mehr, mir wird es gelegentlich etwas flau vor den Ausblicken, die es hier gibt.

Nach dem 2.Frühstück im wunderhübschen Ax-les-Thermes 

 

 führt Frederik mich durch österreichisch anmutende Flusstäler, die einsam sind und wunderschön. Ich erwarte jeden Moment Heidi oder doch zumindest den Almöhi. Mittag in Ustou und dann weiter Richtung Norden.

Das war es dann aber auch schon wieder mit dem guten Wetter, es zieht eine Gewitterfront auf. Wir versuchen, ihr zu entkommen und schaffen es bis St. Gaudens. 

 Einkaufen, das ist immer ein Kulturschock, und mit den ersten Regentropfen erreichen wir den Campingplatz.

Camping municipal
"Le Belvédère" *** 05 62 00 16 03
 
rue des chanteurs du Comminges (route de Tarbes)

Kaum haben wir das Zelt aufgebaut, bricht ein heftiges Gewitter los. Es zwingt uns, unter dem Waschhausvordach zu kochen und zu essen, was nicht sehr gemütlich ist. Eine versprengter Überlebenskünstler aus Deutschland leistet uns Gesellschaft und erzählt die haarstäubendsten Geschichten. Auf einen Besuch in seinem Campingbus verzichten wir aber lieber. Die Nacht verbringe ich im Waschraum, vielleicht angenehmer als im absaufenden Zelt? Nein, meint Frederik am Morgen, der das Zelt getestet hat und ich stimme ihm zu. Nicht noch eine Nacht im Waschraum!

 

27.5. St.Gaudens - Herbolzheim

Wir fahren weiter Richtung Norden. Eine Unwetterfront ist in der letzten Nacht durchgezogen. Die Straßen sind mit Blättern und abgebrochenen Ästen garniert, tief hängt der Himmel. Noch einmal durch´s Gebirge: Nebel, Regen, ich fluche, habe Sterbensangst und sehe nichts, Frederik fährt, als gäbe es kein Morgen, blos weg hier aus der Suppe! Endlich raus aus den Bergen, die Sonne kriecht aus diversen Lücken, aber so richtig gut sieht es nicht aus. Auf dann doch recht trockenen Straßen fahren wir durch das Armagnac (wobei eine Stadt bedenkenswerterweise „Condome-en-Armagnac“ heißt. 

 Hübsche Vorstellung. Das heitert die Stimmung etwas auf, sehen doch sonst die Straßen und die steinernen Häuser so ohne Sonne doch recht trist aus). Je weiter wir nach Norden kommen, umso grauer wird es wieder und wir beschließen, vorzeitig nach Haus zu fahren. Bei eisigem, steifen Wind und immer wieder Regen haben wir schließlich bei Herbolzheim die Nase voll. Ein Autobahnhotel inkl. Rasthof, Tankstelle, Burger King etc. ist unsere Zuflucht für die Nacht. 

 Das Hotel bietet allerdings einigen Luxus: Badewanne, Fernseher, Bar und Solarium. Für das Solarium bin ich zu müde, aber ein Absacker an der Bar darf es dann schon noch sein.

 

28.5. Herbolzheim - Drüber

Das Wetter fängt da an, wo es gestern aufgehört hat: Kalter Wind und Regen. Unsere Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Die letzte Krönung gibt es dann kurz vor Kassel, wo uns quasi in Sichtweite der avisiertem Raststätte „Knüllwald“ ein rabenschwarzer Himmel erwartet, aus dem binnen kürzester Zeit unglaubliche Wassermassen herausbersten. Die Autos bremsen, kurz vor uns stoßen zwei zusammen und ich denke: „Jungs, macht hier jetzt bloß keinen Scheiß“, denke auch an meine Bremse und daran, dass ich nur fix von hier wegkommen möchte. Auf der Raststätte ernten wir bewundernde Blicke und die obligatorische Frage, ob das Fahren denn bei diesem Wetter nicht unangenehm sei...

Nachmittags gegen 17°° sind endlich wir zu Hause, Gott sei Dank, ohne Schnupfen und noch alles dran! 

 

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